Verhalten unterwegs

Die folgenden Ratschläge mögen als Hinweise verstanden werden und sind keine Pflicht. Es ist ein Sammelsurium meiner teilweise leidvollen Erfahrungen auf Reisen. Vieles versteht sich von selbst, doch für manchen mag es ein entscheidender Tipp sein.

Wer teure Markenkleidung trägt, mit einer wertvollen Uhr am Handgelenk das Tablet rausholt um den Weg zu googeln und dann mit dem neuesten Smartphone den Kumpel daheim anruft, der kann sicher sein in manchen Ländern mehr als beobachtet zu werden. Wer bescheiden reist senkt die eigene Überfallstatistik drastisch. Konsumartikel der 1. Welt sind sind für uns normal, vielleicht auch Statussymbol, doch in armen Ländern ist bares Geld das ein Überleben sichert. Vermeiden sie den Reiz ausgeraubt zu werden.

Lassen sie ihre Wertsachen im Tresor des Hotels oder Hostels. Fragen sie die Rezeption danach, denn es wird meist nicht angeboten. Der codebasierte Zimmersafe ist oft ein Witz. Alles in ein Kuvert – zumachen – Name & Datum drauf – und wichtig! einen Beleg geben lassen. Nehmen sie auf die Straße nur das Geld mit das sie unterwegs brauchen. Evtl. eine Kreditkarte – die kann nach einem Raub gesperrt werden. Unterwegs kann mit einem Billighandy genauso telefoniert werden wie mit dem teuren Smartphone. Klar, man kann dann keine Fotos machen, aber muß man das ständig?

Gehen sie in Mittelamerika und Südamerika Wege die ihnen als sicher empfohlen werden.
In Guatemala fragen sie die Touristenpolizei. Die wissen ob sich dort gerade eine Bande aufhält oder nicht. Nachts sind bestimmte Wege sowieso tabu. Nehmen sie nach der Bar lieber für kleines Geld ein TukTuk. In Antigua z.B. sollten sie vor Mitternacht in ihrer Behausung sein. Ab dann fährt die „Schwarze Polizei“ in der Stadt herum und macht auch – oder gerade – vor Touristen nicht halt. Wenn sie Glück haben werden sie nur ihr Geld los.

Verhalten sie sich ruhig – klingt ziemlich altklug, aber die Erfahrung zeigt es. Wer sich über die Gebühr laut verhält oder mit Geld um sich „schmeißt“ handelt sich oft Missgunst ein. Gerade in Gruppen wird es meist geselliger. In den asiatischen Ländern ist das nicht gerne gesehen. Es ist schon geschehen das einem etwas „angehängt“ wird – ein kleiner Delikt bis hin zu Drogen die in den Rucksack geschmuggelt werden. Unabhängig vom Neid anderer Menschen ist es sicherer und respektvoll sich dem Benehmen der jeweiligen Bewohner eines Landes anzunähern.

Schreien sie niemanden an oder werden unbeherrscht – auch wenn sie im Recht sind. Ihr gegenüber würde sein Gesicht verlieren und das ist mitunter das Schlimmste was geschehen kann. Finden sie eine Lösung die sein Gesicht wahren läßt.
Das gilt auch wenn sie nach dem Weg fragen. Gehen sie nicht davon aus das es eine richtige Angabe ist. Warten sie bis der Mensch außer Sichtweite ist und fragen sie erneut 2-3 andere Passanten. Ähneln sich die Wegbeschreibungen, dann könnten sie zu ihrem Ziel führen. Die Menschen geben ihnen immer eine Antwort – allein um ihr Gesicht zu wahren.

Fahren sie vorsichtig. Vermeiden sie Unfälle. In Thailand sind sie z.B. immer schuld – selbst wenn sie nicht schuld sind.
Sie waren zu der Uhrzeit an diesem Ort – Karma
Sie sind Europäer und haben Geld – wieder Karma
Also tragen sie die ganzen Kosten – kein Spaß – alle Kosten.

Respektieren sie Religion, Sitten und Brauchtum des jeweiligen Landes.
Richten Sie Ihre Fußsohlen nicht gegen eine andere Person. In Deutschland stört das niemanden, doch machen sie das mal in Indonesien.
Sind sie als Paar unterwegs, dann vermeiden sie Intimitäten – manchmal ist Händchenhalten schon anstößig.
Passen sie ihre Kleidung an. Mit nacktem Oberkörper in Luxor rumzulaufen ist ein Armutszeugnis.
Barfuß laufen nur Bettler – denken sie beim nächsten Mal dran – es könnte verstörte Reaktionen hervorrufen und sie werden wie ein Bettler behandelt.
Starren sie in ländlichen Gegenden einer verheirateten Frau nicht ins Gesicht – ein flüchtiger Blick ist in Ordnung – es könnte sonst ungünstig ausgelegt werden. Sprechen sie sie nicht an, sondern den Ehemann der sicher irgendwo steht. Verheiratete Frauen erkennen sie an der jeweiligen Tracht des besuchten Landes. Informieren sie sich.

Wird man von Einheimischen zum Essen eingeladen ist das immer ohne Zweifel ein Höhepunkt während des Reisens. Ich habe sehr schöne Erfahrungen bei solcher Art Austausch erlebt. Geht während des Essen allerdings das Gespräch in Richtung der unverheirateten Töchter sollte man als unverheirateter Mann versuchen ein anderes Thema anzuschneiden, ansonsten redet man sich um Kopf und Kragen. Bleibt der Gastgeber beharrlich beim Liebreiz seiner Töchter, bleibt nichts anderes als die Beine in die Hand zu nehmen. Je nach Landessitte bedankt man sich mit einer Gegeneinladung oder stößt gestenreich auf und dann ab durch die Mitte!

Bietet man ihnen in Bangalore Tee an – trinken sie ihn, auch wenn sie wissen das es sich nur um ein Vorspiel für einen eventuellen Handel geht. Das Wasser kocht den ganzen und ist sicher.

Streicheln sie in Thailand einem fremden Kind nicht über den Kopf. Sie würden dem Kind die Seele nehmen.
In Guatemala schaut man einem fremden Säugling nicht in die Augen – da geht es um die Gesundheit des Babys.

Essen sie in fernöstlichen Ländern nur mit der rechten Hand – am besten setzen sie sich auf ihre linke, denn die brauchen sie später auf der Toilette wenn es statt Klopapier nur einen Eimer mit Wasser gibt. In dem Eimer ist ein Becher – nehmen sie diesen mit der rechten Hand und schütten sie sich das Wasser auf die linke. So bleibt das Wasser keimfrei. So wird auch geduscht…

Trinken sie nur aus gekauften, versiegelten Flaschen – der Deckel ist in Plastik eingeschweißt. Leider gibt es dieses Wasser nur von Wassergiganten wir Nestle & Co.. Günstiges, heimisches Wasser tut es auch – wenn es Original verpackt ist. Ist die Füllmenge sehr hoch, die Flasche läuft aus, läßt sich zu leicht öffnen, dann ist etwas faul. Dann wurde eine alte, leere Flasche mit normalen Wasser gefüllt und wieder originalähnlich verschlossen.

In Indien habe ich gelernt mir Getränke aus Becher oder Flasche in den Mund zu gießen. Das macht dort jeder. So gibt es im Cafe/Garküche einen Wassertopf und einen Becher den jeder mit der rechten! Hand nimmt und sich das Wasser in den Mund gießt. Es gibt also keinen Berührpunkt. Auf einer Wanderung bat mich eine wildfremde Inderin um Wasser. Ich gab ihr meine Wasserflasche, sie goß sich das Wasser in den Mund – ohne Berührung. Wenn jeder diese einfachen Regeln beherzigt, dann gibt es keine Ansteckung. So einfach!

Vermeiden sie es in Neuseeland Wasser aus der Leitung zu trinken. Für die Körperpflege ist es in Ordnung. Mancherorts ist das Wasser mit Fluor versetzt – das wollen sie nicht im Körper haben.

Duschen sie kalt – klingt komisch – ist aber so. Wasser in fernöstlichen Unterkünften wird selten höher als 40-50 Grad erhitzt. Die Gefahr an der Legionärskrankheit zu erkranken ist dadurch höher. Haben sie einen Durchlauferhitzer im Bad, dann ist es egal. Legionellen entwickeln sich optimal ab 25 Grad und werden ab 60 Grad inaktiv. Trinken könnte man das Wasser, doch es geht um den Wasserdampf der in die Lungen gerät. Besonders in Indien macht es deswegen Sinn das Wasser mit dem Becher über sich zu kippen und kein Wasser in den Mund zu bekommen. Fürs Zähneputzen nehmen sie Flaschenwasser – manchmal auch für die Gesichtswäsche, wenn nämlich das Wasser schon braun aus der Leitung kommt. Damit vermeiden sie eine Augeninfektion.

Baden sie im Nil nur an Stellen die ihnen geraten werden, sonst haben sie an und in sich mehr Lebewesen als ihnen recht ist. Es dauert ein paar Monate bis die Würmer in ihren Füßen und Schienbeinen ihr Habitat freiwillig verlassen.

Eine Grundregel: „peel it – boil it – or forget it“. Denken sie daran – auch der Salat im Restaurant wird mit örtlichem Wasser aus der Leitung gewaschen – bei mir ging das mal kräftig in die Hose. Bestellen sie immer Getränke ohne Eis – manchmal müssen sie deswegen einen Aufpreis bezahlen weil der Wirt das fehlende Eis zusätzlich mit der bestellten Flüssigkeit auffüllen muß. Seien sie deswegen nicht erbost.

Trinkgeld geben ist wie Almosen verteilen und wird selten gerne gesehen. Oft ist es in dem Preis schon enthalten. In europäisch orientierten Bars oder Restaurants mag das anders sein. In Garküchen kommt es auf keinen Fall gut an.

Versuchen sie sich ein Paar Brocken der Landessprache anzueignen – es öffnet Tür und Tor – auch wenn sie durch falsche Aussprache statt „Guten Morgen“ – „Grüne Katze“ sagen – zumindest haben sie die Lacher auf ihrer Seite und den Fuß in der Tür. Auf dem Jakobsweg habe ich meine Zimmer meist zur Hälfte des Touristenpreises bekommen, nur weil ich mit HandundFußSpanisch ein Habitación erfragt habe. Der Amerikaner nach mir hat mit seinem breiten Amerikanisch mehr als das doppelte bezahlt.

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